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03.06.2019Fachdialog „Nachhaltiger Holzbau“ Berlin vom 2./3.05.2019 – Holzbau auf dem Vormarsch

Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V. (GD Holz) luden am 2. und 3. Mai 2019 erneut nach Berlin zum 3. Fachdialog „Nachhaltiges Bauen“ ein. 140 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konnten sich in mehreren Impulsvorträgen darüber informieren, wie der nachwachsenden Baustoff Holz zu einer Renaissance in der Hauptstadt gebracht werden soll.

Als ein Vorreiter des nachhaltigen Bauens in Deutschland, will die Landesregierung von Berlin den nachwachsenden Baustoff Holz verstärkt bei der Errichtung von öffentlichen und privaten Gebäuden einsetzen und die damit verbundenen Vorteile, wie Klimaschutz und kürzere Bauzeit ausnutzen.

Erste Schritte wurden seitens der Landesregierung bereits getätigt:

  • Novellierung der Berliner Bauordnung im April 2018, um den Bau von mehrgeschossigen Holzbauten zu erleichtern.
  • Überarbeitung der „Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt“ (VwVBU) vom 16.03.2019 - Holz als gleichberechtigter Baustoff ist in die Planungsüberlegungen mit einzubeziehen.
  • Die Abgeordneten des Berliner Landesparlaments sprachen sich einstimmig am 21. März 2019 für die Förderung des urbanen Holzbaus aus.

Der Landesbeirat Holz Berlin-Brandenburg nutzte den Fachdialog „Nachhaltiges Bauen“, um die Ergebnisse der „Marktstudie zum Bauen mit Holz im Ballungsraum Berlin“ vorzustellen. Die Marktstudie wurde gemeinsam mit dem Senat für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und "ZRS Architekten GvA mbH" (Berlin) durchgeführt, um Potentiale und Hemmnisse für den Holzbau in Berlin zu erforschen und entsprechende Handlungsempfehlungen zu formulieren.

Prof. Eike Roswag-Klinge, Dipl.-Ing. Architekt, stellte die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vor. 59 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Studie teil. 9 der befragten Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin/Brandenburg.

Als größtes Hemmnis für die öffentliche Hand zu arbeiten, nannten die Firmen den hohen Aufwand zur Teilnahme am Vergabeverfahren und den Umfang der Ausschreibungen. Die Handlungsempfehlungen gliederten sich dabei in 3 Teilbereiche, „Ausschreibende Stellen“, Politik und Holzbaubranche. Prof. Roswag-Klinge arbeitete insbesondere heraus, dass die ausgeschriebenen Projektvolumina und Angebotsfristen zur Teilnahme angepasst werden sollten, um auch mittelständische Unternehmen aus dem Berlin-Brandenburger-Raum mit um die 50 Mitarbeitern nicht auszugrenzen. Bei größeren Bauvorhaben ist ein vorgeschalteter Architekturwettbewerb sinnvoll, um qualitativ hochwertige Lösungen für die einzelnen Projekte zu erarbeiten und nicht allein den Angebotspreis als Entscheidungskriterium heranzuziehen.

Baustellenbesichtigung am 2. Mai 2019

Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR) und Vorsitzender des Landesbeirats Holz Berlin-Brandenburg stellte in seinem Vortrag mögliche Förderinstrumente für den Holzbau vor. Die ehrgeizigen Ziele von Berlin treffen auf eine bis dato unterdurchschnittliche Holzbaustruktur, eine zu geringe Anzahl an Fachkräften und fehlende Vernetzung zwischen den Unternehmen. Das politische Statement von Berlin kann sich aktivierend auf die hiesige (Holzbau-)Wirtschaft auswirken, dennoch benötigt die Wirtschaft weitere Impulse durch die Politik, um die nötigen Strukturen zu entwickeln. Eine länderübergreifende Holzbaustrategie für Berlin und Brandenburg unterstützt durch ein Clustermanagement erscheint dabei zielführend. Er stellte erfolgreiche nationale und internationale Programme vor und zeigte anhand verschiedener Kategorien Fördermaßnahmen auf, die zur Entwicklung dieser Strukturen beitragen. Am Beispiel der schwedischen Modellstadt Växjö wurde aufgezeigt, wie der Anteil an mehrgeschossigen Holzneubauten binnen 17 Jahren von 1% auf 21% gesteigert wurde.

Prof. Tom Kaden (TU Graz), Kaden und Lager GmbH, thematisierte die Schaffung von bezahlbarem und zugleich umweltgerechtem Wohnraum. Berlin benötigt bedingt durch den demographischen Wandel bis 2030 etwa 400.000 zusätzliche Wohnungen. Mit systemischer Wiederholung wird laut Prof. Kaden der Holzbau zunehmend preiswerter. Der moderne Holzbau wird entsprechend seiner Vorteile weitere Marktanteile in der Bauwirtschaft gewinnen können.

Ulrich Bick vom Thünen Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie (Hamburg) stellte den Teilnehmern dar, dass die Nachfrage nach hochwertigen (zertifizierten) Bauholz gedeckt werden kann. In Deutschland werden jährlich etwa 54 Millionen m³ Holz eingeschlagen. Dabei nimmt auf Grund der nachhaltigen Nutzung die Waldfläche kontinuierlich zu. Eine Steigerung dieser Menge ist vor allem unter Einbeziehung des Privatwaldes denkbar. Zusätzlich kann bei Bedarf Rohholz aus dem Ausland importiert werden. Deutschland importiert heute bereits Rohholz aus dem Ausland und verarbeitet dies in der Säge- und Holzindustrie weiter zu hochwertigen Produkten. Durch die Europäischen Holzhandelsverordnung und weltweit anerkannte Zertifizierungssysteme, wie FSC und PEFC können deutsche Unternehmen vergleichsweise problemlos nachweisen, dass das verwendet Holz aus legaler und nachhaltiger Nutzung stammt.

Die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH Berlin, vertreten durch Dipl.-Ing. Architekt Stefan Schautes, möchte jährlich 6.000 Wohnungen fertig stellen. Von den derzeit etwa 1.500 fertigstellten Wohneinheiten entstehen schon heute viele in Systembauweise mit hohem Holzanteil. Auch hier zeigt sich die Bereitschaft der Stadt, die Vorteile des modernen Holzbaus zu nutzen und sukzessive zu erhöhen.

Dr. Katharina Gamillscheg, Stellvertretende GD Holz-Geschäftsführerin, Thomas Schwilling, Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Elisa Serra-Lohe, Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Architekt Andreas Krawczyk, Büro NKBAK, und Christian Kaufmann, Geschäftsführer Kaufmann Bausysteme GmbH (v. r. n. l.).

Dr. Katharina Gamillscheg, Stellvertretende GD Holz-Geschäftsführerin, Thomas Schwilling, Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Elisa Serra-Lohe, Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Architekt Andreas Krawczyk, Büro NKBAK, und Christian Kaufmann, Geschäftsführer Kaufmann Bausysteme GmbH (v. r. n. l.).

"Holzbau zum Anfassen"

Am Vortag, am 2. Mai, konnten 40 Fachleute und Interessierte bei der Baustellenexkursion „Holzbau zum Anfassen“ ein Projekt aus der Schulbauoffensive der Stadt Berlin besichtigen. Ein Teil der geplanten Schulen soll in Holzbauweise entstehen. Die Vorteile liegen auf der Hand. So entstand in Berlin-Lichtenberg ein dreistöckiger Grundschulneubau für 400 Schüler(innen) in 3d-Modullbauweise. Der verantwortliche Architekt Andreas Krawczyk vom Frankfurter Büro NKBAK erläuterte dabei architektonische und planerische Besonderheiten bei der Umsetzung des Projektes. Von der Beauftragung bis zur Fertigstellung vergingen nur 19 Monate. Die kurze Bauzeit war nur in Modulbauweise möglich. Ein Klassenraum von 63 m² besteht dabei aus 3 Modulen, die komplett vorgefertigt mit Elektrik, Fenstern und Heizungen angeliefert wurden. Auf der Baustelle mussten die einzelnen Module nur noch zusammengesetzt werden. Im Anschluss wurde die dazugehörige Sporthalle mit 2000 m² Grundfläche in Holzelementbauweise besichtigt.

„Bildquelle: GD Holz / Kollaxo“