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09.03.2020Interview mit Schulleiter Guido Richter

Guido Richter, Direktor der 34. Grundschule in Berlin-Lichtenberg, spricht über die Vorteile der im Rahmen der Schulbauoffensive in Holzmodulbauweise errichteten Schule, wie die Kinder auf ihre neue Umgebung reagieren und welche Wünsche er für zukünftige Planungsprozesse hat. 

LBHBB: Herr Richter, sind die Holzbauschulen in Berlin nur eine schnelle Lösung für die Schulplatzproblematik, oder mehr?

Guido Richter: In meinen Augen sind die Holzbauschulen eine wunderbare Alternative zu den Schulen, die in herkömmlicher Bauweise entstehen. Natürlich bieten sie, aufgrund ihrer wesentlich kürzeren Bauzeit, die Möglichkeit, dringend benötigte Schulplätze schnell zur Verfügung zu stellen. Deshalb aber in diesem Zusammenhang allein von einer schnellen Lösung zu sprechen, wird den Holzbauschulen in keinster Weise gerecht, da hier ökologische Aspekte mit modernen pädagogischen Aspekten verknüpft wurden, so dass das Lehren und Lernen allen Beteiligten sehr viel Spaß macht.

Inwieweit haben sie persönlich den Planungsprozess und des Aufbaus der Schule mitbegleitet?

Ich konnte in den Prozess der Planung erst in dem Moment einsteigen, indem feststand, dass ich die Schule als Schulleiter übernehmen darf. Zu diesem Zeitpunkt waren die Planungen bereits abgeschlossen und es bestanden nur geringe Möglichkeiten, diese im Nachgang noch zu modifizieren. Für zukünftige Bauprojekte dieser Art wäre es in meinen Augen unbedingt erforderlich, dass in die Planungsphase pädagogische Experten mit einbezogen werden. Dabei ist es unerheblich, ob diese Experten dann später auch in dem Gebäude arbeiten. Es geht vielmehr um den „pädagogischen Blick“ in Bezug auf die räumliche und funktionale Gestaltung des Baus.

Wie beurteilen die Pädagoginnen und Pädagogen das Arbeiten an einer in Holzbauweise errichteten Schule?

Alle Kolleginnen und Kollegen arbeiten gerne in dieser Schule und betonen immer wieder den großen Anteil, den die helle und warme Atmosphäre des Holzbaus auf ihre hohe Arbeitsplatzzufriedenheit hat. 

Wie reagieren die Schüler*innen auf den Baustoff Holz?

Die Schüler*innen genießen es, in der „Umgebung aus Holz“ zu lernen. Die warme Grundstimmung der Räume überträgt sich dabei auf die Kinder. Es sind kaum Konflikte zu beobachten und die meisten Schüler*innen wirken ausgesprochen ausgeglichen. Es macht den Mädchen und Jungen Spaß, dass Sie ihre Arbeitsergebnisse und kleine Kunstwerke überall im Haus problemlos präsentieren können. Die breiten Flure bieten vielfältige Möglichkeiten, in der Gruppe zu spielen, oder sich auch zu separieren und die Ruhe zu genießen. Es ist sehr schön zu beobachten, dass die Kinder sehr sorgsam mit ihrer Holzumgebung umgehen. Schmierereien oder gar Vandalismus spielen bis jetzt überhaupt keine Rolle.

Sehen sie einen Nachteil in der Entscheidung des Berliner Senats, beim Schulneubau den Baustoff Holz einzusetzen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit, in der wir unsere Erfahrungen mit dem Holzbau machen durften, sind wir von der Zukunft der „Holzschule“ überzeugt.