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24.02.2020Regionale Wirtschaft erwartet anhaltendes Wachstum – Ganze Stadtquartiere in Holzbauweise

Nachhaltigere Bauweisen gefragt – Podiumsdiskussion auf der bautec thematisiert Lösungen für die Wohnungsnot

Berlin, 20.02.2020. Ganze Stadtviertel werden in Zukunft im mehrgeschossigen Holzbau entstehen, so die Quintessenz der Veranstaltung „Holz gegen Wohnungsnot – Chancen und Herausforderungen des großmaßstäblichen Holzbaus“ auf der bautec. Der Landesbeirat Holz Berlin-Brandenburg und das Holzbaunetzwerk hatten Baufachleute und Planer zur Podiumsdiskussion geladen.

Berlin setzt verstärkt auf nachhaltige Bauweisen. So kündigte kürzlich die Berliner Bausenatorin Katrin Lompscher bis zu 6.000 Wohnungen in Holzbauweise an. Errichtet werden sollen sie im neu entstehenden Schumacher-Quartier, das auf dem Areal des Flughafens Tegel nach dessen Schließung im kommenden Jahr starten wird. Dieses Berliner Großprojekt der Stadtentwicklung war auch der Aufhänger der Podiumsdiskussion der Bauwirtschaft auf der bautec, die sich auf die steigende Nachfrage einstellen muss. 

In einem Impulsvortrag stellte Karsten Wessel, Projektleiter Städtebau & Erschließung Tegel Projekt GmbH das Schumacher Quartier vor. Es ist in der bereits abgeschlossenen städtebaulichen Planung als Modellprojekt für ein ökologisch soziales Stadtquartier ausgewiesen. In mehreren Bauabschnitten sollen die Wohnungen bis 2033 fertiggestellt werden. Es überwiegen fünf- bis sechsgeschossigen Bauten – aber auch 15 und 19 Stockwerke hohe Solitäre sind fest eingeplant. Dabei ist dem Senat wichtig, dass die Flächen nicht nur an einzelne Großinvestoren, sondern auch an Genossenschaften und Baugruppen vergeben werden. 

In der Diskussion hinterfragte Christoph Deimel, Architekt, ob die Bauwirtschaft insgesamt auf ein Projekt dieser Größe vorbereitet ist. Denn die Auslastung aller Unternehmen am Bau ist in den letzten Jahren sehr gut. Für Projekte wie dem Schumacher Quartier komme im Grunde nur eine serielle Bauweise mit hoher Vorfertigung infrage. 

Aus Sicht von Manfred Senff von purelivin, einem österreichischen Entwickler von Wohnbauprojekten in Raummodulen aus Vollholz, ist der Geschosswohnungsbau in Modul- und Elementbauweise für die Holzbauindustrie heute Normalität. Die Fertigungskapazitäten seien nach oben skalierbar. Diese hohe Standardisierung müsse jedoch noch viel stärker in der Planung berücksichtigt werden. 

Eine Herausforderung ist ein solches Großprojekt vor allem für die regionalen Holzbauunternehmen. Allein die schiere Größe der Projektvolumen übersteigt die Möglichkeiten der oft handwerklich geprägten Unternehmen. Für Thomas Rintsch, Geschäftsführer von Arche Naturhaus – einem innovativen, regionalen Holzbauunternehmen, welches 2019 für einen Kita-Bau mit dem ersten Berliner Holzbaupreis prämiert wurde – liegt der Schlüssel in der Zusammenarbeit der Unternehmen. Regionale Unternehmen, die sich zu Arbeits- oder Bietergemeinschaften zusammenschließen und den Auftrag gemeinsam abwickeln, könnten so bei den kleineren Projekten z.B. von privaten Baugruppen zum Zuge kommen. 

„Der Berliner Senat hat mit dem angekündigten Holzbauanteil im Schumacher Quartier ein deutliches Signal in Richtung Bauwirtschaft gesendet. Diese Planungssicherheit brauchen unsere Unternehmen, um sich auf ein gesundes Wachstum und den Ausbau der Kapazitäten vorbereiten zu können“, fasste Dr. Denny Ohnesorge vom Landesbeirat Holz Berlin Brandenburg die Diskussion zusammen. „Das Holzbaunetzwerk wird diesen Prozess begleiten und die Vernetzung sowie die Bildung von unternehmens- und branchenübergreifenden Partnerschaften durch weitere Veranstaltungen fördern“, schließt Andreas Lerge vom Holzbaunetzwerk Berlin die Diskussion. 

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Pressefoto (Foto: LHHolzBB/Michi Rheinhardt)